Vorbereitung
Nach etlichem Hin- und Her (siehe andere Berichte) hat es auf den letzten
Drücker wieder gepasst. Als Fahrgestell wählte ich das meiner
Serien-RS; als Motor sollte ein 5-Gang Serienmotor mit Zylinder ala VV seine
Arbeit leisten....indirekt geschaltet; das bin ich so noch nie gefahren...und
ich sollte es bereuen
Anfahrt/Ankunft
Wir, also Frau, Hund, Mechaniker, Moped, Wohnwagen und ich, wollten schon
Donnerstags von Solingen nach HH losfahren um keinen zusätzlichen
Streß aufkommen zu lassen. Nachdem das Verladen des Mopeds inkl. Werkzeug
ganz gut geklappt hatte, sollte es dann
losgehen.
Die erste Hürde waren die 30er Hügel vor meiner Haustüre.
Der Daimler lag so tief, das ich fast immer! Bodenkontakt hatte...vielleicht
waren wir ein wenig überladen...ab der Autobahn ging dann aber alles
glatt.
Nach der ersten Nacht auf einem Campingplatz in HH-Mitte fuhren wir also
am Freitag morgen ins Fahrerlager. Die ersten Fahrer waren schon da, also
bauten wir unser Lager auf und entspannten erstmal bei einem kühlen
Bierchen.
Ab Mittag modifizierte Reiner K. dann erstmal die Kreidler. Der Vergaser
wurde nochmal abgestimmt. Da ich das hintere Schutzblech inkl. Kennzeichen
zur Sicherheit noch montiert hatte, habe ich dann noch einige Probefahrten
in Hamburgs Innenstadt machen können. Allerdings mit einem nicht wirklich
überzeugendem Ergebnis. Die Schaltung hakelte und so wirklich Dampf
war da auch nicht...Peter (lang) war sofort zur Hilfe geeilt, um die Schaltung
zu justieren...KREIDLER-Freunde eben; danke nochmal dafür. Nach langem
Theorie-Gerede kürzten wir den Krümmer und montierten einen anderen
Auspuff; das war die richtige Richtung. Wir waren für den nächsten
Tag gewappnet; schließlich war es ja jetzt auch schon 2 Uhr Nachts,
und das halbe Fahrerlager war jetzt aufgrund unserer abschließenden
Bearbeitung des Krümmers via Dremel wieder wach, . Ach so, die Strecke
war ich auch noch nicht abgegangen! So ein Mist...Keine Ahnung was mich also
erwartete. Na dann Gut Nacht!
Lauf 1
Achtung Fahrerlager, Achtung Fahrerlager!!...mit diesen Worten
wurden wir dann am Samstag morgen um 7.00 Uhr lieblos aus dem Schlaf gerissen.
Wer kam auf die Idee sich direkt unter den Lautsprechern hinzustellen???
Naja, die üblichen Rituale und ab in die Kombi...noch knapp 1,5 Stunden
bis zum Start. Ich war bestimmt 10x aufm Klo...Anspannung pur! Die Strecke
war nass und mit Laub/Heu bedeckt, so das laut der bereits gefahrenen Fahrer
das ganze mit Vorsicht zu genießen sei. Da ich ja "strassenerfahren"
bin sah ich hier eine chance vorne mitzufahren. Gesagt, getan. Moped warmlaufen
lassen ab zum Start. Ab jetzt ging alles wie von selbst. Kurve anpeilen,
Gang suchen, rein...raus, hochschalten, beschleunigen. Eigentlich alles wie
auf der Strasse, nur irgendwie enger. Nach der ersten Geraden kam dann die
erste Spitzkehre. Tolle Sache, wenn man weis wie sie zu fahren ist. Ich fand
den Bremspunkt, allerdings wollte mein Getriebe nicht so wie ich wollte.
Vom 5. in den 2., das Moped durch die Kurve getragen (bloß keinen Crash!)
und Vollgas. Scheisse, ich hing noch im 4., tolle Schaltung :evil: . Wieder:
Gang finden und wech. Lange Gerade, dann die Schickane gefolgt von einer
schnellen Doppellinks. Puhh...was war das? Kurz nach dem Anbremsen, ich wollte
mich gerade reinlegen, hauts mich fast ausm Sattel...da war da noch eine
Riesenbodenwelle, die ich nicht gesehen hatte. Die Kurve war fast nicht zu
fahren und die Bremse wurde mein bester Begleiter in diesem Abschnitt. Erste
Runde vorbei...war überhaupt schon einer an mir vorbeigefahren??
Weiterkämpfen...alles geben! Auf der Geraden kam das Gerät auf
knappe 100 km/H, zu langsam um vorne mitzufahren. Das Ganze ging dann knappe
15 Runden so...ich war immer noch der Meinung das eigentlich ja keiner der
anderen 50er an mir vorbeigefahren sei...Irrtum, ich war nur zu sehr mit
anderen Dingen beschäftigt, z.B. mit der Schaltung, um das mitzubekommen.
Von hinten sieht das alles anders aus...und dann noch ohne Kennzeichen...doch
anders als auf der Strasse. Der Erste Lauf war vorbei, mir fiel ein Riesenstein
vom Herzen; Moped, Knochen, alles heile. Weiter so! Nur die Schaltung ging
gar nicht. Und so langsam bekam ich dann auch wieder was von meiner Umwelt
mit. Pause.
Lauf 2
Ich musste erstmal mitm Hund Gassi gehn :wink: und als ich wiederkam, war
Stefan G. schon fleißig dabei, mal wieder die Schaltung zu
überarbeiten, welche immernoch scheisse lief!! Also Kombi an, Helm auf,
Moped warmlaufen. Die Strecke war trocken, erste Erfahrungen hatte ich gesammelt.
Der 2. Lauf sollte besser werden. Auch die anderen Fahrer hatten sich so
langsam eingefahren und so ging im 2. Lauf alles schon ein wenig
besser. Nur die Schaltung nicht. Ich hatte mir vorgenommen etwas früher
als normal runterzuschalten...kostet zwar Zeit, aber besser langsam im richtigen
Gang als schnell im falschen. Die Spitzkehre war im 2. Gang nicht fahrbar,
also ab in den ersten. Den habe ich allerdings selten gefunden. Bedingt dadurch,
konnte ich mir 5 Runden lang einen Kampf mit einer VV-Replika liefern.
Schöne Windschattenduelle; und immer wieder vorbei...gaaaanz langsam,
und es hat gereicht um vor der Schikane vorne zu sein. Der Fahrer der VV-Maschine
hat nicht schlecht geguckt. Und ich mich gefreut bis zum Abwinken. Jetzt
nahm ich auch zum ersten Mal die ca. 30.000 Zuschauer wahr, die schön
brav jubelten; ein komisches und zugleich schönes Gefühl. Man kommt
sich vor wie einer von den Großen, ohne es zu sein. Auch jetzt wieder
nahm ich wieder wenig meiner Umwelt wahr. Ich war viel zu sehr mit dem Moped
bzw. der Schaltung beschäftigt, welche immer noch hakte. Jede Runde
wurde besser, aber so richtig zufrieden war ich nicht. Am Abend gingen wir
nochmal die Strecke ab und ich wählte eine andere Linie für die
Doppellinks. Die richtige Taktik. Der 3. Lauf sollte dann das Maß aller
Dinge sein.
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Lauf 3
Super Wetter, gutes Gefühl im Bauch. Jetzt gehts los. Der für
mich letzte und beste Lauf hat den meisten Spass gebracht. Die Fotos sind
übrigens auch vom 3.Lauf. Zur Strecke gibts nichts mehr zu sagen, alles
unverändert. Nach dem Start fuhren Bodo (Zündapp) und Henning
(Kreidler) vorne wech. Man haben die Dampf. Diesmal hab ich sie auch gesehen.
Also sortierte ich mich hinter Peter (lang) und den VV Rennern ein. Immer
schön klein machen und später Bremsen als die anderen. Die Rechnung
ging auf. Auf der Geraden fuhr Peter mir davon, aber in der Spitzkehre war
ich dann auch wieder bei ihm. Das kennen so einige von unseren Ausfahrten.
Ich biss ihm fast in die Waden. Immer das Gleiche: auf der Geraden war er
wech, nächste Kurve war ich wieder da. 6 Runden lang. Irgendwann hat
Peter dann aufgegeben und lies mich ziehen. Ach ja, wo waren denn die VV??
Gestern war ich doch auf der Geraden schneller als die? Und heute? Die waren
einfach weg...keine Schnitte...sie hatten eine längere Übersetzung
gewählt und ich somit keine Chance mehr. Bodo und Henning waren aber
trotzdem schneller. Ein tolles Erlebnis hatte ich in der schnellen Doppellinks.
Die gewählte Linie liess mich im 4/3 Gang da mit ca. 75-80 durchknallen.
Keine Bodenwellen mehr, die habe ich einfach umfahren. Also reinklappen und...WAS
IST DAS? So richtig schön in Fahrt stand dann eine 350er vor mir. Irgendwie
sehr langsam. Zu langsam. Konnte ja nicht da durch fahren. Also wieder
hochklappen, vorbei und wieder rein. Ziemlich eng das ganze, aber dafür
machen wir das ja. Von diesem Manöver gibts ein Foto, auf dem
ich ziemlich schief auf dem Apparat sitze. War halt ein ziemlicher Eiertanz.
Leider sieht man die andere Maschine nicht. So ging das ein paar Runden lang.
Es machte immer mehr Spass. Doch dann SCHOCK!!! Auf der langen Gegengerade,
ich lag da so schön aufn Tank, ging mir auf einmal der Arsch auf Grundeis:
Ca. 100m vor mir machte sich eine 250er NSU lang. Wohl ein Fehler beim Anbremsen
vor Schikane. Das Teil ging einfach weg. der Typ rutsche ersmal schön
übern Asphalt. Nix passiert. ABER: Sein Moped drehte sich auf der
Fußraste immer schön an der Strohballenbegrenzung entlang. "Die
schöne Alu-gedenkgelte-Verkleidung...!" 20, 30, 40m...und ich mit ca.
80 Sachen hinterher. WAS NUN? Bremsen? Gas? keine Ahnung...wenn das Teil
in die Ballen haut, dann schlägts nach links, genau auf meine Linie.
Prost Mahlzeit, mein Chef wird sich freuen... Erstmal weg hier...also aufm
gas bleiben; 200% Konzentration...bloß nicht vom Gas gehen, Nerven
zeigen und kein Risiko eingehen...ich sag euch: in dem Moment war jeder Muskel
meines kleinen Körpers angespannt wie ein Flitzebogen. Vor der Schikane
knallte das Moped dann geradeaus in die Strohball und verweilte dort bis
zum Rennende. Glück gehabt! richtige Entscheidung: GAS. Sonst lief bis
auf die Schaltung, alles gut, keine Ausfälle bei meiner Maschine. Das
sah bei den anderen 50er Fahrern leider anders aus. Somit konnte ich zwar
gute Platzierungen einfahren, aber darum ging es bei diesem Demolauf ja nicht.
Resümee/Planung
Alles in Allem war es ein tolles Wochenende. Ich habe meinen Traum vom
Rennenfahren erfüllt, endlich. Aber das ist nicht das Ende. Eigentlich
kann das nur der Anfang sein! Der neue Racer ist im Aufbau, diesmal
mit FUNKTIONIERENDER Schaltung, das Theater mach ich nicht mehr mit.
Nächstes Jahr wird auf jeden Fall wieder in HH gestartet, Luneort und
Bremen werden auch mal anvisiert...mal sehen was geht.
So, das war der Bericht aus meiner persönlichen Sicht. Leider kann man
hier nicht alles reinpacken, dafür war an dem Wochenende viel zuviel
los.
Bis dann,
Euer leichter Sascha G.