9 kw (12PS) bei 13.000 U/min

oder..die Analyse vom Mytos der Van Veen Zylinder

Als Grundlage dieser Leistungssteigerung dienten RS Zylinder mit der Kreidler Ersatzteilnummer 15.43.99 und RMC/RMC-S Zylinder mit der Teilenummer 15.73.85 und der Bezeichnung A3 (zu finden auf der in Fahrtrichtung rechten unteren Zylinderrippe). Diese Zylinder liefern ca 6,25 PS oder 2,9 PS und boten eine ideale Basis zur Leistungssteigerung, da hier die schwierig zu bearbeiteten Hauptüberstromkanäle nicht abgeändert wurden.

Folgende Motorteile sind beim Van-Veen Motor geändern:

  • Einlaßkanal erweitert
  • Auslaßkanal erweitert
  • Stützkanäle hinzugefügt
  • Kolben (Schmiedekolben)
  • Kurbelwelle*
  • Kupplung*

Ausgangspunkt aller nun folgenden Messungen ist die Zylinderoberkante (Zylinderkopf) sein!

Dabei ausgehend, dass der Zylinder gemessen vom Zylinderfuß bis zum Zylinderkopf eine Höhe von 68.00 mm hat. Abweichungen hiervon sind auf alle Angaben umzurechnen. Bei "längerem" Maß, z.B. 68.10 mm müssen also zu den folgenden Angaben 0.10 mm addiert werden, bei "kürzerem" Zylinder bitte entsprechend subtrahieren.


Kanäle ändern (Allgemein)

Auf dem Schnittmodell eines RS Zylinders sind die Kanalführungen schön zu erkennen. Beim bearbeiten von Kanäle ist darauf zu achten, dass die Kanalwand am Einlaßkanal Zylinderfußseitig nicht zu dünn wird. Als Werkzeug benutzte man sicherlich Schrubfeile, den Kugelkopffräser und nachdem die Kanalform geändert wurden, eine Schlichtfeile um die Kanalinnenflächen zu glätten. Um besonders genau zu arbeiten, kann handelsübliche Tafelkreide benutzt werden, damit bestreicht man  die zu bearbeiteten Flächen. Hierdurch erreichen man, das der Span besser aus der Schlichtfeile "läuft" und man sieht, wo noch Unebenheiten in der Fläche sind. Für alle "Rundungen in der Kanalführung wird Schmiergelleinen mit  verschiedene nabnehmenden Körnung benutzt.


Auslasskanal ändern (Analyse)

Der Auslaßkanal wurde exakt auf 1/10 mm genau nach den unten stehenden Maßen gearbeitet. Die Oberkante des Auslaßschlitzes wurde also 21.50 mm von der Zylinderoberkante, die Unterkante des Auslaßschlitzes 42.80 mm entfernt angebracht. Die Breite des Auslaßschlitzes betrug 29.00 mm (Zylinderrundung berücksichtigt). Der Auslaßkanal ging trichterförmig in den Auslaßflansch über und hatte am Auslaßflansch einen Querschnitt von ø 28.00 mm. Alle Kanalinnenflächen wurden mit 800er Schmiergelleinen geglättet.

Alle Kanalkanten in der Zylinderlauffläche wurden sorgfältig angefast, und so sah der fertige Auslaßkanal nach der Bearbeitung aus:


Der Einlaßkanal (Analyse)

Beim Einlaßkanal wurde mit gleicher Sorgfalt vorgegangen. Auch hier wurde im Anschluß die Kanaloberfläche geglättet, aber nicht poliert! Gerade durch die leicht raue Oberfläche wird Gemisch gut verwirbelt und sorgt so für eine bessere Verbrennung.

Die Einlaßoberkante  wurde auf 51.00 mm, gemessen von der Zylinderoberkante, die Einlaßunterseite auf 66.00 mm gemessen von der Zylinderoberkante erweitert. Dabei formte sich derMündungsbereich  in den Zylinder wie aus Abb.1 ersichtlich. Den Ansaugstutzenflansch vergößerte man auf 28.00 mm * 19.00 mm. (sh. Abb.2) Dabei formte sich der Einlaßkanal leicht trichterförmig zur Zylinderlaufbahn aus. In Abb.3 kann der Einlaßkanal und die Zusatzüberstromkanäle (Stützkanal) betrachtet werden. Auch beim Einlaßkanal wurden die Übergänge zur Laufbahn an angefast.


Die Zusatzüberstomkanäle - Stützkanal (Analyse)

Die Zusatzkanäle wurden wie aus der Abwicklung ersichtlich gefräst. Hierbei ist es wichtig, dass die Kanäle mit einem Winkel von ca. 60 ° in Richtung Auslaßkanal   austritt, um die Spülung wirkungsvoll zu unterstützen. Die genauen Maße für die Zusatzüberstomkanäle sind aus der Mantelabwicklung ersichtlich. Hier ist auch durch einen blauen Strich die Laufbahn des Kolbenringstoßes markiert.

Auf dem Schnittbild "12 PS" sind die vergrößerten Kanäle und der neue Stützkanal zu erkennen. Der Stützkanal hat eine Breite vom 9.00 mm und ist max. 4.00 mm tief in den Zylinder gefräst. Um den Gasstrom der Hauptüberstromkanäle optimal

zu stützen, ist ein Winkel von 60 ° sehr wichtig. Um den genauen Winkel zu ermitteln, könnte man eine Papp- oder Papierschablone gefertigt und diese als Hilfswerkzeug benutzt haben. Der Abstand vom Einlaßkanal beträgt 3.00 mm. Es ist auch darauf zu achten, dass der Kolbenringstoß  (blau) auf dem Steg zwischen den beiden Stützkanälen liegt, hier durfte also später im Betrieb der Kolbenring nicht ausfedern!


Die Abwicklung (Analyse)

Der "blaue" Strich in der Abwicklung zeigt den Weg des Kolbenringstoßes.


Der Schmiedekolben


Schmiedekolben, in unserem Fall asymmetrische Einring-Schmiedekolben sind Kolben, die aus einer stranggepressten speziellen Aluminium-Silizium-Legierung  (AlSi 18 CuNi oder AlSi 25 CuNi) geschmiedet  sind und besonders gehärtet werden. Sie haben eine höhere Festigkeit wie der Serienkolbens (195- 360 N/mm2).
An "unserem Van-Veen" Schmiedekolben wurden nun zwei 6mm Löcher gebohrt und quadratisch zugefeilt, die im Betrieb mit den Stützkanälen korrespondieren und das Kolbenhemd wurde einlaßseitig um 1.5 mm gekürzt (asymmetrischer Kolben).

Das Maß -B- ist die Breite des Zylindersteges zwischen den gefrästen Stützkanälen. Das Maß -A- ist die Entfernung des Bohrungen zum Kolbenringsitz, hier 1mm. Der Kolbenringstoß muß genau mittig zwischen den neuen Bohrungen sein und  die beiden Bohrungen wurden in einem Winkel von ca 10° gebohrt (sh. Bild oben). Weitere Informationen (sh. Kolben)


Vergaser, Ansaugstutzen, Auspuffanlage

Die Leistungssteigerung war nur in Verbindung mit folgenden Komponenten möglich:

  • Vergaser Bing 84/28/110
  • Zündkerze Bosch W275 T1 (W3AC)
  • Zündzeitpunkt 1.2 mm vor OT
  • Ansaugstutzen sh. Abb.4
  • Resonanzauspuffanlage

Bing 84/28/110

Hauptdüse
Nadeleldüse
Düsennadel/Nadelstellung
Leerlaufdüse
Zerstäuberdüse
Luftregulierschraube
wahlweise 75 ... 150
2.75
46-290-661/2
45
8
1 Umdrehung offen

Der Resonanzauspuff mit Schalldämpferteil (Analyse)


Wissenswertes

Das war nun viel Material, und Ihr habt sicher gesehen, das Motorentuning sehr viel Arbeit war und ist und auch viel Zeit in Anspruch nimmt.
Hersteller von Schmiedekolben und Resonanzauspuffanlagen sind dem Verein bekannt. Der Zylinder sollte nach der Bearbeitung möglichst neu beschichtet werden. Dieses deshalb, damit die Nikasil-Beschichtung in den Kanal hineinläuft Quelle: Mahle). Dadurch hat der Kolbenring beim Überlaufen des Kanalrandes eine bessere Führung .
Bei der Kurbelwelle solltet das untere Pleuellager durch eines mit "Silberkäfig" ersetzt werden.
Der Kolbenbolzen war konisch ausgedreht und die Kupplung um eine Stahl-Reiblamelle verstärkt .


Update: 02.2001