KREIDLER MOTOREN

Analyse und Optmierung

Optimierung von Kreidler Motoren - oft wird danach gefragt, hier nun Analysen und Grundlagen zur erfolgreichen Optmierung. Motorenoptimierung ist nicht einfach ein wenig feilen hier und da , es ist Konstuktion, Feinarbeit und viel Ausdauer. Wir werden auf den folgenden Seiten nicht einfach nur fertige Konzepte anbieten, sondern uns mit den theoretischen Grundlagen beschäftigen.


Vorraussetzung für erfolgreiches Optimieren von Motoren sind:

  • handwerkliches Geschick
  • passendes Werkzeug
  • Grundkenntnisse des Zweitaktmotors
  • physikalisches Verständnis
  • genaues und sauberes Arbeiten

Hinweis: Durch Veränderungen an Kraftfahrzeugen, die für den Straßenverkehr bestimmt sind, erlischt die Allgemeine Betriebserlaubnis. Eine Verwendung im Straßenverkehr ist danach verboten und strafbar. - Eventuell entstehende - mittelbare oder unmittelbare, verschuldete oder unverschuldete - Schäden oder andersartige Nachteile, die Aufgrund von Äußerungen aus dieser Internetseite, besonders der Rubrik "Tuning", entstanden sind, berechtigen nicht zu irgendwelchen Ansprüchen gegenüber dem Betreiber dieser Internet-Seite oder dem Autor des betreffenden Artikels, insbesondere nicht zu Schadensersatzansprüchen.


Folgende Nachteile können bei sehr hohen Leistungssteigerungen auftauchen:
Durch höheren Verschleiß Standfestigkeit und Lebensdauer, Geräuschentwicklung (Resonanzauspuff), Startfreudigkeit, ungleichmäßiger Drehmomentverlauf (Leistungslöcher).
Für alle, die sich intensiv mit dem Thema Motorenoptimierung beschäftigen möchten, ist folgendes Buch erhältlich:

Fangen wir mit einer kleinen Einleitung an, um mit den theoretischen Grundlagen vertraut zu machen.

Leistung (N) = Kraft( P) x Geschwindigkeit (v)


wobei Kraft durch das Drehmoment und Geschwindigkeit durch die Drehzahl definiert wird. Das Formelzeichen N steht für PS, heute KW ( 1PS = 0,7355 KW)

Leistung (N) = Drehmoment (Md) x Drehzahl (n)

Wie man sieht, um die Leistung zu steigern, muss nun entweder die Drehzahl oder das Drehmoment angehoben werden. Oder noch besser, beides, was aber nur in einem bestimmten Verhältnis zueinander möglich ist.
Fangen wir mit dem Drehmoment an. Was ist das eigentlich?
Das Drehmoment ist die Arbeitsleistung des Motors, also die Kraft, mit der das verbrennende Gemisch den Kolben nach unten drückt. Sie ist abhängig von der Nutzleistung Ne (Leistung abzüglich Reibungsverluste) und der Drehzahl n.
Und die Drehzahl ist die Kurbelwellenumdrehung pro Minute.
Und nun kommen wir zum Hautthema, der Optimierung. Wie gestalte man die Verbrennung effektiver? Dazu muß also der Füllungsgrad verbessert werden, also dem Motor mehr verbrennbares Gemisch zugeführt werden. Leider wird der Gaswechsel, also der Austausch von Frisch- und Altgas beim Zweitakter ausschließlich durch Druckunterschiede bestimmt.
Also muß die Füllung erhöht werden! Möglichst viel Gemisch muß zur Verbrennung gelangen. Dazu werden die Kanäle erweiternt, der Querschnitt vergrößert um mehr Gemisch zu befördern.
Über den Vergaser, dem Ansaugstutzen, und dem Einlaßkanal im Zylinder wird verbrennbares Gemisch in den Kurbelraum befördert. Der Kolben steuert hierbei durch seine Auf- und Abbewegung die Öffnungszeit.

Welche Komponenten können optimiert werden ?

Der Einlaßkanal


Eine Erweiterung der Schlitzes nach unten hat zur Folge, dass der Kolben den Schlitz früher freigibt und später verschließt, also eine Verlängerung des Steuerwinkels und so mehr Füllung des Kurbelraumes. Eine Verbreiterung des Einlasschlitzes hat keine Auswirkung auf den Steuerwinkel, vergrößert aber den Querschnitt und so auch die Füllung. Dabei sollte die Schlitzbreite aber nicht 75% - 80% der Zylinderbohrung überschreiten. Sollten der untere Kolbenring über den Einlaßschlitz laufen, darf die Schlitzbreite nicht mehr wie 60 % der Zylinderbohrung überschreiten um ein Einfedern der Kolbenringe zu vermeiden. Eine Erweiterung des Einlasschlitzes nach oben vergrößert den Querschnitt nur dann, wenn die Unterkante des Kolbenhemdes die Schlitzoberseite noch freigibt, besser ist es aber, wenn das Kolbenhemd den Schlitz noch etwas überläuft (sh. Abb.), um den Einlaßschlitz für einen Teil der Öffnunszeit vollständig freizugeben und die strömungsungünstige Kolbenkante aus dem Strömungsbereich kommt.

Der Auslaßkanal

Mit dem Auslaßkanal sollen die Altgase möglichst schnell aus dem Brennraum gebracht werden, dazu kann der Auslaßkanal nach unten (UT) bis zur Kolbenoberkante vergrößert werden und nach oben, wobei bedacht werden muss, das ein Erweitern des Auslaßkanals in Richtung OT die Zeit begrenzt, die der Gasdruck auf dem Kolben wirken kann. Also wird der Auslaßkanal verbreitert. Ab einer bestimmten Kanalbreite, ca. 60% der Zylinderbohrung, neigen die Kolbenringe aber dazu, an der Kanalkante hängenzubleiben und in den Kanal einzufedern ( Totalschaden). Dem kann duch große Radien an den Kanalecken und durch Anfasen der Kanalkanten entgegengewirkt werden. Aber bei max. 65 % der Zylinderbohrung ist auch hiermit nichts mehr zu erreichen. Weiter kann der Querschnitt nur durch zusätzliche Kanäle verbreitert werden, die dann in den unteren Bereich des Auslaßkanales münden.

Die Überstömkanäle

Was machen die Hauptüberstömkanäle eigentlich, und wie können sie verändert werden? Arbeiten an den Überstömkanälen sind handwerklich schwierig, weil sie nur schlecht zugängig sind und ihre Form für díe Motorleistung von entscheidener Wichtigkeit ist. Die Hauptüberstömkanäle befördern Frischgas aus dem Kurbelraum in den Brennraum, folgend Spülvorgang genannt. Dieser Spülvorgang ist sehr kompliziert und es gibt nur wenig Möglichkeiten hier etwas zu verändern. Der Kreidler Motor arbeitet nach dem Prinzip Schnürle Umkehrspülung. Bei diesem Vorgang wird das Frischgas erst in zwei gebündelten Strahlen über den Kolbenboden auf die dem Auslaß gegenüberliegende Zylinderwand geleitet, wo beide Strahle gleichzeitig und mit gleicher Intensität eintreffen. So wird erreicht, das die Strahle nicht zerlaufen können, sondern sich gegenseitig stützen und eine feste Gasfront bilden um die Altgase aus dem Verbrennungsraum zu drängen. Veränderungen an den Hauptüberstömkanälen beschränken sich also auf Veränderung der Steuerzeit durch Anheben des ganzen Zylinders mittels unterlegen einer Distanzscheibe und durch Vergrößern des Kanals im Kurbelraumbereiches. Dabei sollte der Kanal "trichterförmig" zum Zylinder hin verengend ausgearbeitet werden. Wichtig sind bei den Überstömkanälen auch die Stömungswiederstände, die Kanäle sollten eine glatte Oberfläche haben, polierte Kanäle sind nicht unbedingt notwendig, das Polieren der Kanäle ist sehr viel Arbeit und ein Erweitern der Kanäle um ca. 150% ist effektiver.

Die Vorverdichtung erhöhen?

Bei Kreidler Motoren ist es relativ leicht möglich, Kurbelgehäusetotraum zu beseitigen. Dies hat den Vorteil, das dadurch der Wirkungsgrad des Spülvorganges angehoben wird aber auch den Nachteil, dass weniger Frischgas in das nun kleinere Gehäuse passt, was zwar durch den höheren Druck ausgeglichen wird, aber bei Motoren ingesamt sehr wenig Leistungsgewinn bringt. Wenn nun der Totraum beseitigt wird, füllt man den Raum zwischen Kurbelwellenlager und Simmerring mit passenden Zwischenringen aus ( sh. Abb.)

Änderungen am Kolben

Alle Änderungen, die am Kolben durchgeführt  werden können, beschränken sich auf das Kolbenhemd. Nun übernimmt die untere Kolbenkante die Steuerung des Einlaßschlitzes und der Überstömkanäle, also kann auch hier Einfluß auf den Steuerwinkel genommen werden. Das Kolbenhemd sollte den Einlaßschlitz wie oben bereits erklärt um ca 15% der Schlitzfläche überlaufen. Das heißt: Bei Kolben kürzt man das Hemd im Bereich Einlaß nur, um ein Überlaufen des Einlaßschlitzes um ca. 15 % sicherzustellen. Anders sieht es da schon bei den Überstömern aus, hier kann man Einfluß auf Öffnugszeit der Kanäle nehmen, indem die Kolbenhemdaussparrungen bis zum Bolzen herunterfeilen. ( sh. Abb.)

Der Kolbenbolzen

Der Kolbenbolzen ist das Verbindungsstück zwischen Kolben und Pleuelstange. Seine schnelle Hin-und Herbewegung mit dem Kolben zusammen verlangt nach geringer Masse, das sonst die Beschleunigungskräfte zu groß würden. Dem kann man entgegenwirken, indem der Kolbenbolzen erleichtert wird. Da die Kolbenbolzen aus dem Einsatzstahl Ck 15 gefertigt sind und eine hohe Randschichthärte haben, ist ein konisches Aufbohren nur mittels Drehbank zu realisieren und entsprechend aufwendig.

Die Verdichtung

Da bei höher verdichtetem Gemisch auch die Temperatur des gezündeten Gases zunimmt, wird der Wirkungsgrad verbessert. Leider kann die Verdichtung nur bis zu einem gewissem Punkt erhöht werden. Einerseits würde der Spitzendruck derart zunehmen, dass der Motor einfach zerreißen würde, anderseits würden derart hohe Temperaturen auftreten, das wir ein Schmelzen befürchten müssten. Für unsere Motoren ist ein max. Wert von 12:1 zulässig.


siehe auch : Der Zweitakter
siehe auch : Die Resonanzschwingung
siehe auch : Umkehrspülung

Update: 02.2001