Einleitung
Dieses von Dr. Schnürle (Deutz) entwickelte Verfahren zur Verbesserung
der Spülung von Zweitaktern wurde erstmals 1932 unter Leitung von Dr.
Venediger bei der Auto-Union in Serie gefertig. Natürlich wollten auch
andere Zweitakt-Hersteller das neue Verfahren mit dem Flachkolben und der
verbesserten Spülung nutzen. Aber die Auto-Union lehnte jegliche Vergabe
von Lizenzen ab. Daher versuchten alle namhaften Hersteller von Zweitaktern,
die im Besitz der Auto-Union befindlichen Patente mit den verschiedensten
Modifikationen zu umgehen. Erst nach dem zweitem Weltkrieg wurden die Patente
frei und andere Hersteller konnten die Umkehrspülung nutzen, so auch
die Firma
Kreidler
mit Johann Hilber, der vorher bei Messerschmitt gearbeitet hatte und durch
sein Wissen um Strömungsabläufe der Zweitaktentwicklung neue Impulse
gab.
Wirkungsweise
Bei der Umkehrspülung hat der Kolben einen glatten, leicht gewölbten
Boden ( Flachkolben). Im Kolbenmantel sind unterhalb des Kolbenbolzens Fenster
eingearbeitet, mit denen die Überströmkanäle gesteuert werden.
Der Zylinder hat zwei Überströmkanäle, die in einem Winkel
von 60° annähernd tangential in den Zylinder münden. Zwischen
den beiden Überstömern ist der ist der Auslaßkanal angeordnet.
Der Einlaßschlitz ist gegenüber dem Auslaßkanal angeordnet
und das Kurbelgehäuse dient als Ladepumpe.
Der Frischgaseintritt in das Kurbelgehäuse wird durch die
Kolbenunterkante
gesteuert. Während der Abwärtsbewegung des Kolbens öffnet
sich zuerst der Auslaßschlitz, der von der Kolbenoberkante gesteuert
wird. Kurz darauf werden beide Überströmer freigegeben. Diesen
Hubunterschied nennt man Vorauslaß . Je größer dieser
Vorauslaß ist, um so mehr können sich die Altgase entspannen,
um um so besser ist der nachfolgende Spülvorgang. Haben sich nun die
Altgase soweit entspannt, das der Spülvorgang einsetzen kann, stömen
die Frischgase durch die Überstömer über den Kolbenboden in
den Zylinder, wobei sie die Altgase vor sich her schieben. Die beiden
Spülströme treffen auf der Mittellinie des Zylinders aufeinander,
und steigen dann an der Zylinderwand gegenüber dem Auslaß empor.
Im halbkugeligen Zylinderkopf wird der
Spülstrom
umgekehrt und strömt an der auslaßseitigen Zylinderwand herunter
zum Auslaßkanal. Die Frischgasfront schiebt die Altgase heraus.
Eine Weiterentwicklung der klassischen Schnürle-Umkehrspülung arbeitet
neben den Hauptüberstömkanälen mit zusätzlichen
Stützkanälen, die die Hauptspülstöme anheben, sie weicher
an die stützende Zylinderwand heranführen und so die verwirbelung
und die Auflösung vermeiden. Diese Stützkanäle werden fast
tangential an die dem Auslaß gegenüberliegende Zylinderwand
herangeführt und münden fast horizontal, während die
Hauptspühlkanäle um 15° geneigt sind. Der querschnitt der
Stützkanäle liegt bei etwa 40% der Hauptkanäle für Zylinder
mit Schlitzsteuerung. Die Steigung der Stützkanäle nimmt mit
zunehmender Entfernung vom Auslaßschlitz zu und kann 45-50° betragen.
Die steilen Stützkanäle sind meist sehr kurz und werden durch Fenster
im Kolbenhemd
bedient.
Die Aufteilung auf mehrere Spühlkanäle bedeutet ein weicheres
Aufrichten der Hauptspülströme, so daß auch bei höheren
Spüldrücken eine Zerfaserung an der Zylinderwand und die Bildung
eines ungespülten Abgaskerns in der Zylindermitte verhindert wird.
siehe auch :
Der Zweitakter
siehe auch :
Die Resonanzschwingung