Alle Zündanlagen -Abb. Bosch MHKZ 35/30 Watt:
Zur Einstellung des Zündzeitpunktes empfehlen wir dringend den Gebrauch
eines O.T. Messgerätes. Der Zündzeitpunkt sollte nach jeder Demontage
der Ankerplatte oder des Polrades eingemessen werden. Auf dem obrigen Bild
ist zu sehen, wie der Kolben im O.T. (oberer Totpunkt) gebracht wurde.
Dazu wird der Kolben langsam in Motorlaufrichtung bewegt, bis der Zeiger
des Messinstumentes ( hier eine Messuhr) die oberste Stellung des Kolbens
markiert. Nun wird die drehbare Skala der Messuhr mit der Zeigerstellung
zur Deckung gebracht. Bei kontaktgesteuerten Zündanlagen markieren wir
nun den O.T. Punkt!
Vorzündung ( Frühzündung) einstellen:
Nachdem wir den O.T. Punkt festgestellt haben, drehen wir das Polrad solange
entgegen der Motorlaufrichtung ( bei Kreidler durch Rechtsdrehen), bis der
Kolben den laut Tabelle ( sh.
Zündanlagen) erreichten Wert in mm auf der Messuhrskala erreicht hat.
Vorzündung markieren:
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Nachden wir nun den Kolben in die richtige Stellung gebracht haben, können
wir am Gehäuse und am Polrad die neue Markierung setzen. Hierzu sollte
am besten ein weißer Lackstift verwendet werden ( z.b. Edding).
Dies ermöglicht beim nächsten Schritt, dem Anblitzen mit der
Zündlichtpistole, eine bessere Kontrolle.
Der Zündzeitpunkt:
Ziel der Verbrennung ist es, die Kurbelwelle in Drehung zu setzen, und das
geschieht, indem auf dem Kolben Druck ausgeübt wird. Und da dieser Druck
nur zwischen dem oberen Totpunkt und dem Öffnen des Auslasses wirken
kann, ist es das Ziel, zwischen diesen beiden Stellen einen anhaltenden Druck
zu erzeugen. Etwas anschaulich, aber nicht ganz korrekt könnte man sagen:
Die Fläche unter der Kurve des "Druckverlaufes abgetragen über
den Kurbelwinkel" muß nach O.T. möglichst groß sein. Nicht
korrekt an dieser Darstellung ist, dass der Wirkungsgrad des Kurbeltriebes
und der Energieverlust des Gases durch Abkühlung nicht berücksichtigt
wird. Das erklärt auch, weshalb der Zündzeitpunkt vor dem oberen
Totpunkt liegt. Bisher wurde einfach immer nur lapidar erklärt, der
Grund liegt in der Durchbrenngeschwindigkeit des Gemisches. Diese Erklärung
kann aber nicht ausreichen, wenn man sich überlegt, dass der Druck auf
dem Kolben vor dem O.T. die Kurbelwelle ja bremst und dass erst ab einer
Kurbelwellenstellung von ca. 80 Grad nach O.T. die Kraft auf dem Kolben optimal
in die Drehbewegung umgewandelt wird - nämlich dann, wenn das Pleuel
senkrecht zur Strecke zwischen Hubzapfen und Kurbelwellendrehpunkt steht.
So gesehen wäre es sogar wünschenswert, daß der Maximaldruck
erst lange nach dem oberen Totpunkt auftritt, weil dort schließlich
der Wirkungsgrad der Kurbelwelle viel größer ist.
Des Rätsels Lösung ist aber sehr einfach: Ein Gas steht unter um
so höheren Druck, je kleiner der Raum ist, in dem es sich aufhält.
Weil der (Gas) Raum in dem Zylinder eines Motors aber um so kleiner ist,
je näher der Kolben dem O.T steht, ist bei gleicher Gastemperatur der
Druck bei Kolbenstellung O.T. immer am größten.
Die Erklärung für die Vorzündung lautet also
vollständig: Eine große pro Arbeitstakt
abgegebene Arbeit erfordert einen hohen Spitzendruck, der ist aber nur nahe
am O.T. möglich und weil das Gemisch einige Zeit benötigt, um
durchzubrennen, muß deshalb vor dem O.T. gezündet werden, damit
die maximale Temperatur noch rechtzeitig eintrifft. Mit diesem
Wissen kann man sich nun leicht herleiten, was bei falsch eingestellter
Zündung passiert: Liegt der Zündzeitpunkt zu spät nimmt der
Maximaldruck ab und mit ihm die Leistung. Liegt er dagegen zu früh,
dann wird es gefährlich, weil der Druck bei gleicher Verbrennungstemperatur
immer höher wird, je näher der Kolben dem O.T. steht. So kann der
Spitzendruck bei zu frühem Zündzeitpunkt so hoch werden, dass der
Motor einfach auseinanderreißt. Aber wenn auch dies nicht passiert,
so sinkt doch die Leistung, weil der höhere Druck nichts ausrichten
kann, wenn der Wirkungsgrad der Kurbelwelle null ist - und in der Kolbenstellung
O.T. ist er das.
Wo aber liegt nun der richtige Zündzeitpunkt? Bei unseren Kreidler Serien
Motoren haben die Kreidler Ingenieure uns die Arbeit abgenommen ( sh. Tabelle
Zündanlagen). Anders allerdings bei Tuningmotoren, ebenso wie die richtige
Vergasereinstellung muß auch hier der Zündzeitpunkt durch Versuche
ermittelt werden. Man kann sich lediglich überlegen, dass die Lage des
Zündzeitpunktes durch zwei Faktoren bestimmt wird, nämlich durch
die Drehzahl, und durch die Brenngeschwindigkeit. Wenn die Brenngeschwindigkeit
unverändert bleibt, die Kolbengeschwindigkeit aber steigt, muß
der Zündfunke früher springen, damit der Maximaldruck in der gleichen
Kolbenposition auftritt. Allerdings nimmt mit der Kolbengeschwindigkeit ,
also der Drehzahl, auch gleichzeitig die Verquirlung des Gemisches zu, und
damit die Durchbrenngeschwíndigkeit, so dass höhere Drehzahlen
spätere Zündzeitpunkte benötigen, als eigentlich zu erwarten
wäre.
siehe auch : Werkzeuge
siehe auch : Zündanlagen
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